Yves G. Noir

Artist: Yves G. Noir, 2015

KURZBIO
Yves Noir, 1967 in Strasbourg geboren, lebt seit 1985 in Deutschland und studierte bis 1995 Mediendesign mit Schwerpunkt Fotografie. Seitdem arbeitet Yves Noir als freier Fotograf und Dozent für Fotografie im In- und Ausland. Neben Publikationen in Bildbänden und Magazinen, waren seine Arbeiten bei Ausstellungen, unter anderem in Paris, Mailand, Arles, Salzburg und Stuttgart zu sehen.

Den Schwerpunkt seiner Photoarbeiten legt er auf das Abbilden des Menschen in seinem ursprünglichen Zustand. Vor diesem Hintergrund sollen gerade seine Aktbildnisse nicht dazu dienen, erotische Momente zu transportieren, sondern eher die natürliche Ästhetik des Körpers vermitteln. Jene stillen Bilder laden den Betrachter zum Verweilen ein. Der Blick soll wieder zum Erleben der menschlich originären Ungeschütztheit und Verletztheit zurückführen und dann aus dieser identifikatorischen Konfrontation individuelle oder sozial besetzte Deutungspunkte freigeben. Die Bilder entstehen in Zusammenarbeit mit Künstler*innen und everyday people.

Artist statement:

 

S: Out of raw, 2012

Serie: Yves G. Noir – Out of raw, 2012

EINDEUTIG UNDEUTIG
Ungewohnt: Yves Noir schafft es, mit seiner Fotoserie „Out of Raw“ Emotionen beim Betrachter auszulösen, ohne das Gesicht seines Models oder etwaige Lebensverhältnisse zu zeigen. Wir sehen einen nackten, von den Bildkanten des gewählten Ausschnitts beschränkten Frauenkörper. Keinen Raum, keine Möbel, keine Utensilien, keinen ganzen Kopf. Die Protagonistin präsentiert ihre Blöße vor und auf einer nicht weiter definierten, weißen, neutral-sterilen Fläche. Wobei „präsentiert“ ein unadäquates Wort ist. Denn mit präsentieren im Sinne von Posen haben ihre Gestiken nichts zu tun. Vielmehr scheint es so, als wären die Aufnahmen fast beiläufig entstanden, während die Person gelangweilt auf irgendwen oder irgendwas gewartet hat. Ihr Körper ist nicht schön. Nicht im klassischen Sinne. Aufgeplatzte Äderchen und harte Knochen drücken an die Außenwand ihrer nicht mehr jungen Haut. Und trotzdem geht von den offensichtlich mit viel Zeitaufwand entstandenen Fotografien eine enorme Poesie aus. Einige Fotos zeigen eindrucksvoll beleuchtete Körper-Torsi, andere offenbaren eine stille Körperlandschaft mit Hügeln und Büschen. Oberschenkel und Hüfte werden zur Gesteinsformation, Hautfalten zu Felsspalten.


Eindeutig: Wir haben es hier mit einem echten Menschen zu tun, nicht mit einem typischen Fotomodel. Nichts ist beschönigt. Die Fotos sind (wie ihr Titel schon sagt) „out of raw“, roh, quasi naturbelassen, die 1:1-Resultate aus der Kamera, Äquivalente der „raw“-Dateien. Niemand hat die Muttermale retuschiert oder die Poren durch den Weichzeichner gejagt. Die Reduziertheit der Farben (wir sind fast in Versuchung, von Schwarz-Weiß-Fotografien zu sprechen) ist allein durch entsprechende Beleuchtung und nicht durch digitale Nachbearbeitung erreicht.

Die Ambivalenz der Motive ist sicherlich einer der Hauptreize der Fotoserie. Das von Yves Noir zur Fotosession eingeladene Model ist weder jung noch alt, weder eindeutig hässlich noch eindeutig schön. Ist sie krankheitsbedingt dünn oder will sie ihren Körper genau so haben? Wie viele Fragen des Lebens so lassen sich auch diese nicht eindeutig beantworten. Genau aus diesem Grund habe ich 2013 diese Fotoserie in meine Gruppenausstellung „Gürtellinie“ integriert, in der fünf Fotokünstler die Grenzlinien zwischen Erotisch und Unerotisch austariert haben.
(Text: Marko Schacher, Galerist und Kurator Stuttgart, August 2017)

PRODUKTION:

focus ∞ , 2007

Serie: Yves G. Noir – Focus (unendlich), 2007

INHALT

Die 16 Exponate von Yves Noir mit dem Titel focus ∞, zeigen die Schnittmenge aus scheinbar nicht miteinander zu vereinigenden  Gegensätzen. Jedes einzelne Foto ist die Schnittmenge – und nicht der Kompromiss aus Farb- und Schwarzweiß-Fotografie. Aus Analogem und Digitalem. Aus unendlichem Fokus und endlichem Motiv. Aus Mensch und DNA, aus Männlichem und Weiblichem.

 

PRODUKTION: