WEINPRESSHAUS als neuer „offspace“
E:MU, 2026

© 2026 galerie panoptikum. - Ketzelsdorf (Poysdorf), NÖ

Bild: 2026 – offspace | galerie panoptikum., Ketzelsdorf (Poysdorf), NÖ (AT)

> Wein­press­haus als neu­er Off­space:
Die stand­ort­tech­ni­sche Ver­schie­bung in das Wein­vier­tel mar­kiert die phä­no­me­no­lo­gi­sche Neu­aus­rich­tung der Ga­le­rie. Ein his­to­ri­sches Wein­press­haus wur­de in ei­nem an­dau­ern­den, dreijäh­ri­gen Pro­zess durch notwendige struk­tu­rel­le Ein­grif­fe adap­tiert. Die ra­di­ka­le räum­li­che Iso­la­ti­on in der geo­gra­fi­schen Pe­ri­phe­rie fun­giert da­bei nicht als De­fi­zit, son­dern als be­wuss­te kon­zep­tu­el­le Ab­gren­zung.

Ar­chi­tek­to­nisch erinnert das Ge­bäu­de an die ro­he Ma­te­ri­ali­tät des ur­sprüng­li­chen Fo­to­stu­dios in Gil­gen­berg: Kalt, verlassen & unauffindbar. 

Zusätzlich ver­wei­gert es sich dem wär­me­ge­dämm­ten White Cube und zi­tiert die küh­le, re­du­zier­te Äs­the­tik ei­nes Rau­mes, der sich durch den Ent­zug von Lärm und op­ti­scher Ab­len­kung besonders aus­zeich­net.

Er­wei­tert wird die Struk­tur durch ein un­ter­ir­di­sches Vo­lu­men: Ei­ne Kel­ler­röh­re un­ter­hält als ge­schlos­se­nes bio­kli­ma­ti­sches Sys­tem kon­stan­te Pa­ra­me­ter von 12 °C bei 75 % re­la­ti­ver Luft­feuch­tig­keit. Die fi­na­le ku­ra­to­ri­sche oder in­stal­la­ti­ve Be­spie­lung die­ses sub­ter­ra­nen Hohl­raums bleibt vor­erst va­kant, bis uns etwas einfällt.

SCHLACHTHAUS
E:MU, 2019

Bild: 2019 – FOTOSTU­DIO 5133, Gil­gen­berg a.W. (OÖ)

Ei­ne Hom­ma­ge an mein kal­tes und dunk­les Fotostu­dio. Ein ex­tre­mes Ge­gen­teil zu den vie­len üblichen An­de­ren. Wer ein be­heiz­tes, sau­be­res und wei­ßes Stu­dio mit gro­ßen Fens­tern und ei­ner „chil­li­gen“ Couch bei Zim­mer­tem­pe­ra­tur er­war­tet, der wird hier ei­nes Bes­se­ren be­lehrt. Viel­mehr das Ge­gen­teil ist der Fall: Ein kal­ter, dunk­ler und dre­cki­ger Raum mit Tem­pe­ra­tu­ren um 10°C er­war­tet Euch. Hier in dieser Kälte ent­stand auch die Idee ei­ner off­space Ga­le­rie.

Das Stu­dio be­stand aus zwei Räu­men. Der ers­te klei­ne­re Raum wur­de als La­ger und Dun­kel­kam­mer ge­nutzt. Der zweite gro­ße Raum war das ei­gent­li­che Stu­dio mit 50 qm². Die Stu­dio­hö­he be­trug um die 4,5 Me­ter. Die Fo­to­wand wie auch die Bo­den­flä­che wa­ren je­weils 4×4 (LxH/B) Me­ter. Die Schlachthauswände wa­ren mit schwe­rem schwar­zen Mol­ton ab­ge­hängt – einerseits wegen der Optik und andererseits der Kälte wegen. Schon beim Rein­ge­hen über­kam ei­nen das Ge­fühl, man tauchte von der rea­len Welt in ei­ne klei­ne ver­steck­te fast schon ima­gi­nä­re und in sich ge­schlos­se­ne Rea­li­tät ein­. Kein Lärm, kei­ne Ab­len­kung, kein Licht – we­nig drang von drau­ßen rein. Drinnen stehend kam man sich wie auf der Büh­ne ei­nes ver­las­se­nen Thea­ters vor.

Der Bo­den war zer­kratzt, dre­ckig und schwarz be­malt. Ir­gend­wo stand ei­ne al­te ver­staub­te Couch he­rum, ein Holz­ofen und ei­ne ur­al­te An­la­ge für den Sound. Das war’s! Kei­ne sons­ti­gen Ge­gen­stän­de oder mo­der­nen Mit­tel der Kom­mu­ni­ka­ti­on. Ein lee­rer, kal­ter und ana­lo­ger Raum.

Man wür­de gern ei­ne Zeit lang hier ver­wei­len. Aber schon beim Ein­tre­ten in das Stu­dio wur­de ei­nem klar, dass län­ge­re Auf­ent­halts­zei­ten nur be­dingt mög­lich wa­ren. Die Käl­te war ein­ma­lig. Als wür­de der Tod selbst ei­nen be­grü­ßen. Tat­säch­lich war die­ses Ge­bäu­de vor­mals ein Schlach­thaus. Ich dach­te im­mer, das Stu­dio müsse unbedingt so blei­ben! Auch wenn die Um­ge­bung le­bens­feind­lich schien, ent­stan­den hier vie­le fas­zi­nie­ren­de künst­le­ri­sche Ar­bei­ten. Mehr als zehn Jah­re mei­nes Le­bens hab ich dort ver­bracht – Tag und Nacht!

OFF­SPACE STU­DIO 5133
Ru­der­stall­gas­sen 4, A-5133 Gil­gen­berg (OÖ)
Aus­tria

DIE MATERIALITÄT DER IDEE
E:MU, 2017

Bild: Umbau 2017 (fast fertig): offspace | galerie panoptikum., Gilgenberg a.W. (OÖ)

Ihr möch­tet wis­sen, was hin­ter den Ku­lis­sen pas­siert? Nun gut: Die letz­ten vier Jah­re wa­ren kein Pap­pen­stiel. Wir ha­ben vie­le Ar­bei­ten er­le­digt und das kom­plet­te Erd­ge­schoss von Grund auf er­neu­ert inkl. neu­er Fuß­bo­den­hei­zung, Bo­den, De­cken, Wän­de, Tü­ren, neu­e Was­ser­lei­tun­gen, neu­e Bar / The­ke, Toi­let­ten – und noch Einiges mehr. Die letz­ten Jah­re wa­ren ge­kenn­zeich­net von viel Ar­beit und noch mehr Schweiß.

An­ge­fan­gen hat al­les mit mei­ner Idee ei­ne off­space Ga­le­rie für Fo­to­gra­fie auf­zu­bau­en. Um ei­ne off­space Ga­le­rie zu be­trei­ben, muss­te ich al­ler­dings die rich­ti­ge Um­ge­bung da­für schaf­fen. Al­so be­schloß ich das Erd­ge­schoss von Grund auf neu zu ma­chen. Mein Plan sah daher im ers­ten Schritt vor, den al­ten Bo­den raus­zu­stem­men. Da ich ge­ne­rell nichts ge­gen ein we­nig Ar­beit ein­zu­wen­den ha­be und auch nichts Sinn­vol­leres im Sinn hat­te, dach­te ich mir, ich fange einfach mal an. Zwi­schen­zeit­lich kam das eine oder andere Mal et­was aus der „Pus­te“, da ich al­les sel­ber ge­macht ha­be!

Die Vor­stel­lungs­kraft ist un­be­grenzt. Sie mo­ti­viert, sie treibt an – sie ist das Eli­xier des Han­delns. Kei­ne Mü­hen sind zu groß. Kei­ne Ar­beit ist zu viel. Kein Weg ist zu weit. Al­le Wid­rig­kei­ten wer­den be­sei­tigt. Un­er­müd­lich wird ge­ar­bei­tet – vor­ge­stern, ge­stern, heu­te, mor­gen, über­mor­gen und hier. Die Idee lebt und wächst – ge­nährt von ei­ner un­vor­stell­ba­ren in­ne­ren Be­frie­di­gung. Ei­ne Zu­frie­den­heit stellt sich ein, die an­ge­sichts des Vor­ha­bens zu ei­nem Mo­ment des Glück­lich­seins ver­pufft und nach mehr ver­langt. Mehr Ar­beit. Mehr We­gen und noch mehr Wid­rig­kei­ten.

Und den­noch: egal wie­viel ich mach­te, die Ar­beit schien nicht mehr auf­hö­ren zu wol­len. (Anm: Die Ar­beit hat nach wie vor nicht auf­ge­hört!) Aber nach ei­ni­ger Zeit sah man ers­te Ver­än­de­run­gen. Es war immer noch Ei­ni­ges zu ma­chen, al­ler­dings wa­ren die gröbs­ten Ar­bei­ten er­le­digt. Und vor al­lem es war warm. Die neu­e Hei­zung funk­tio­nier­te per­fekt!

Die Idee formte sich zu ei­nem fes­ten Be­stand­teil meines Le­bens und täg­li­chen Schaf­fens. Die Vor­stel­lungs­kraft läßt uns si­mul­tan ei­ne zu­künf­ti­ge Pa­ral­lel­rea­li­tät le­ben, die sich ge­nährt von der Idee ent­wi­ckelt. Und kon­ti­nu­ier­lich nimmt sie kon­kre­te­re For­men an, so­daß zwei gleich­wer­ti­ge Rea­li­tä­ten ent­ste­hen. Das Le­ben im Hier und Jetzt. Ob­ses­si­on in ih­rer reins­ten Form!